Die Ausbildung

Kann mein Hund ein Rettungshund werden?

Zunächst möchten wir Ihnen einige allgemeine Informationen zum Thema Rettungshund geben. Sie selbst sollten körperlich fit, lernwillig und teamfähig sein. Ihr Hund sollte nicht älter als 4 Jahre sein bei Beginn der Ausbildung. Anfangen kann der Hund direkt, nachdem Sie ihn zu sich geholt haben (also auch schon mit 8 Wochen!).

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Filou begann seine Ausbildung im Alter von 8 Wochen!

Grundsätzlich ist jeder Hund geeignet, egal ob Rassehund oder Mischling. Er sollte nicht zu klein sein (wie ein Chihuahua oder eine Französische Bulldogge) und nicht zu groß (wie ein Irischer Wolfshund oder eine Dogge) sein. Sie sollten bedenken, dass er in der Flächenprüfung später 30.000 m² in 20 Minuten durchsuchen können muss. Das wird für einen kleinen Dackel, aber auch für eine große Dogge sehr anstrengend. In Realeinsätzen werden meist viel größere Gebiete von einem Team durchsucht werden müssen.

Die Ausbildung der Hunde dauert ca. 2 bis 3 Jahre.

Zunächst lernt der Hund, dass der Mensch immer toll ist und seine Lieblingsbelohnung für ihn hat. Entweder sein Lieblingsspielzeug oder aber besondere Leckerchen, die er sonst nie bekommt (Fleischwurst, Käse oder gar Katzenfutter):

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Toni findet Menschen  toll! Fleischwurst sei Dank!

Zunächst sieht der Hund noch, wie seine „Versteckperson“ verschwindet. Später verläßt er sich auf seine Nase und zeigt auch Menschen an, die er nicht mehr sehen, aber riechen kann:

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Tara zeigt vor einem Karton an!

Wichtig: Der Hund sollte dabei immer Spaß haben:

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                                                                                                             Tara beim Spielen

Wir bilden die Hunde aus als Verbeller oder Rückverweiser, je nach ihrer Neigung. Es gibt Hunde, die wollen einfach nicht so gerne bellen oder aber sie haben so eine enge Bindung zu ihrem Hundeführer, dass sich der Rückverweis einfach anbietet.

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                                     Bianca (Rückverweiserin) führt ihren Besitzer gerade zum Opfer.

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Jonny verbellt sein Opfer!  

Als nächste Hürde hat der Hund einen ‚“Eignungstest“ über sich ergehen zu lassen. Dabei wird in verschiedensten Situationen getest, ob der Hund agressiv reagiert. Das darf ein Rettungshundeanwärter natürlich in keiner Situation sein. Er wird Lärm und Rauch ausgesetzt, mit fremden Menschen und fremden Hunden konfrontiert. Ein humpelnder Mensch geht an ihm vorbei, ein Regenschirm wird plötzlich aufgespannt. Alles sollte er gelassen hinnehmen.

             Hier mal diverse Situationen eines Eignungstest:

Eignungstest
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Im Laufe der Zeit testen wir, wofür sich die Hunde am Besten eignen:

Flächenausbildung:

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Cim bei der Flächensuche

Trümmerausbildung:

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Balisa bei  der Trümmersuche

Mantrailing:

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Maebh beim Mantrailing

Alle Hunde werden geschult in:

Unterordnung:

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Benny mit Rüdiger beim Gehorsamstraining

Gerätearbeit:

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Maebh auf der Wippe

 Hier noch einmal die genaue Erklärung der einzelnen Begriffe:

Flächensuche

Die häufigsten Einsätze für Rettungshundestaffeln hierzulande ist die Flächensuche. Hierbei geht es darum, vermisste Personen in unwegsamen, unübersichtlichen Geländen aufzufinden.

In unserer Region sind es häufig ältere Menschen, die sich beim Spaziergang verirren, Kinder die nicht mehr nach Hause kommen, Suizidgefährdete, die einen Abschiedsbrief hinterlassen haben und Unfallopfer, die im Schock weglaufen und die Orientierung verlieren.

Das entsprechende Gebiet wird systematisch mit den Hundeteams durchsucht. Es gibt verschiedene Sucharten, z.B. Wegrandsuche, Kettensuche, Parzellensuche. etc. Der Hund findet die Person, und bellt entweder anhaltend solange, bis der Hundeführer bei ihm ist (Verbeller) oder läuft zu  seinem Hundeführer zurück und bringt ihn anschließend zum Opfer (Rückverweiser).

Leichensuche

Inzwischen haben wir begonnen, die erfahrenen Hunde auch auf Leichengeruch auszubilden. Immer öfter werden wir für die Suchen nach suizidgefährdeten Personen alarmiert. Um sicher zu  gehen, dass wir die Person auf jeden Fall finden, auch wenn wir für eine Rettung zu spät kommen, gewöhnen wir sie an Leichengeruch. Natürlich besteht diese Möglichkeit nur für Flächenhunde, die nicht in Trümmern  ausgebildet werden. Denn in Trümmern sollen nur lebende Personen angezeigt werden.

Lawinensuche

Zwei unserer Hunde werden wir nun auch in der Lawinensuche ausbilden. Sie fragen sich  sicher, warum ein Lawinenhund im Siegerland? Ein Flächenhund ist es gewöhnt, mit halbhoher Nase die Witterung aus der Luft aufzunehmen. Er rechnet aber nicht damit, dass ein Mensch auch unter  Schnee liegen kann und er auch tiefer suchen muss. So besuchen  wir jedes Jahr ein Lawinenseminar, um auch gewährleisten zu können, dass Personen gefunden werden, die unter einer dünnen Schneeschicht liegen.

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Tara bei der Lawinensuche

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Benny dringt in das Versteck ein

Gerätearbeit

Die Gerätearbeit unterstützt die Koordinationsfähigkeit des Hundes. Sie fördert die Ausbildung der Führigkeit isoliert von der Suchtätigkeit.

Zu den klassischen Geräten gehören waagrechte und schräge Bretter und Leitern, Wippe, Tunnel, Sprünge und unterschiedliche unangenehme Untergründe.

Unterordnung

Die Hunde müssen natürlich jederzeit gehorchen und abrufbar sein. Bei Einsätzen kommt es vor, dass man ein Waldgebiet nahe einer vielbefahrenen Straße durchsuchen muss. Auch wenn der Hund die Person auf der anderen Seite riecht, muss er doch warten, bis er mit seinem Hundeführer sicher über die Straße gehen kann und erst danach auf der anderen Seite zur Person laufen darf. Vor jeder Prüfung wird eine Unterordnung gelaufen,  vergleichbar mit der Begleithundeprüfung, die jedes Team im Laufe der Zeit abzulegen hat.

Trümmersuche

Bei Katastrophen wie Erdbeben, Explosionen, Gebäudeeinstürzen, Grubenunglücken, etc. kommen die Trümmersuchhunde zum Einsatz. Diese Hunde sind in der Lage, sich sehr vorsichtig auf den Trümmern zu bewegen und nach verschütteten, noch lebenden Menschen zu suchen. Die Hunde lassen sich bei ihrer Sucharbeit weder von den verschiedensten Gerüchen, Rauch und Lärm noch durch die teilweisen schweren Geräte der Rettungsmannschaften ablenken. Zeigt ein Hund durch Verbellen an, beginnen die Rettungsmannschaften an dieser Stelle mit der Bergung. In den Trümmern ist nur der Verweis durch Verbellen, nicht aber der Rückverweis gewünscht.

Mantrailing

Beim Mantrailing arbeitet der Hund an einer 8m-Leine. Er bekommt einen Gegenstand der vermissten Person zu riechen. Er wird an der Stelle angesetzt, von der man sicher weiß, dass die vermisste Person dort zuletzt gesehen wurde und verfolgt von dort den so genannten Trail. Der Mantrailer sucht also eine bestimmte Person, während die Flächen- und Trümmerhunde jeden Menschen in ihrem Suchgebiet anzeigen.

Aber  auch der Hundeführer muss einiges an Ausbildung über sich ergehen lassen.

Als erstes steht die Erste-Hilfe auf dem Plan:

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Erste-Hilfe-Ausbildung dauert 16 Stunden.

Dann folgt die Helfergrundausbildung, ebenfalls in 16 Stunden. Dort lernt man etwas über die Geschichte des Malteserordens und die ersten Maßnahmen, um Menschen helfen zu können, wie z. B. das Umlagern im Bett:

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Schließlich folgt der „Einsatzsanitäter“ in 80 Stunden sowie sonstige Schulungen des Hundeführers, wie:

Erste-Hilfe am Hund:

Tierarzt

                                                Funken:

AusbildungFunken

Umgang mit dem Feuerlöscher:

AusbildungFeuerloescher

Ausbildung an den einzelnen Fahrzeugen:

AusbildungFahrzeug

Theorie wie Einsatztaktik:

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Der Umgang mit Karte und Kompass:

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Wenn all diese Schulungen durchlaufen sind, wird das Team zur Rettungshundeprüfung zugelassen:

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Nach bestandener Prüfung erhält das Team die begehrte Plakette für das Hundehalsband.

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Rüdiger mit Balisa nach der bestandenen Prüfung

Schon früh binden wir Kinder mit in die Ausbildung ein. Zum einen lernen die Hunde den Umgang mit den Kindern und zum anderen können wir so dieses schöne Hobby mit der ganzen Familie ausüben.

Wir machen des Weiteren immer wieder Übungen mit Feuerwehren:

Uebung mit Feuerwehr1
Uebung Feuerwehr2

Außerdem betreiben wir immer wieder Öffentlichkeitsarbeit:

150 Jahre Marienhospital 172 [1024x768]

Falls Sie all das nicht abschreckt und Sie Ihre Ausbildung zum Rettungshundeteam bei uns beginnen  möchten, setzen Sie sich bitte mit unserer Staffelleitung in Verbindung. Wir freuen uns immer auf Besuch, mit oder ohne Hund. Denn auch Helfer ohne Hund sind uns herzlich Willkommen. Gerne können Sie uns auch kontaktieren, falls Sie noch Fragen haben oder uns zu Ihrem Firmenfest oder Jubiläum einladen möchten.